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Fischer Verlage
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Carrer del Carme 24, 08001 Barcelona , N 41° 22.941' E 002° 10.224'

Im ehemaligen Hospital La Santa Creu aus dem 15./16. Jahrhundert ist die größte Bibliothek Kataloniens untergebracht. Es ist ein wunderschöner Bau, und in einem der beiden Lesesäle mit gotischem Gewölbe macht sich David Martín in ›Das Spiel des Engels‹ an die Recherchen für das von Corelli in Auftrag gegebene Buch. Dabei lernt er die Chefbibliothekarin Eulalia kennen und schätzen. »Ich brauchte unbedingt einen Ort, wo ich nachdenken konnte und vom häuslichen Eifer und der Putzwut meiner neuen Assistentin verschont blieb. Ich fand ihn unter den Spitzbögen in der großen Halle der Bibliothek, die im ehemaligen mittelalterlichen Hospiz in der Calle del Carmen untergebracht war. Den Rest des Tages verbrachte ich inmitten von Büchern, die nach päpstlicher Gruft rochen, und las in Mythologien und Religionsgeschichten, bis meine Augen auf den Tisch zu purzeln drohten. Nach stundenlanger ununterbrochener Lektüre überschlug ich, dass ich kaum ein Millionstel dessen angekratzt hatte, was unter den Bögen dieses Bücherheiligtums zu finden war, ganz zu schweigen von dem, was über das Thema insgesamt geschrieben worden war. Ich beschloss, am nächsten Tag wiederzukehren, ebenso am übernächsten und so mindestens eine ganze Woche, um den Dampfkessel meines Denkens mit Abertausenden Seiten über Götter, Wunder und Prophezeiungen, Heilige und Erscheinungen, Offenbarungen und Mysterien anzuheizen. Alles, nur nicht an Cristina und Don Pedro und ihr Eheleben denken.« (S. 296/97) Auch in ›Der Gefangene des Himmels‹ spielt die Bibliothek eine Rolle. Fermín hat dort früher die Romane David Martíns gelesen – »Fast fünf Minuten lang jonglierte er mit Erinnerungen und Echos, dann ging ihm ein Licht auf, und er erinnerte sich an geraubte Nachmittage in einem Winkel der Bibliothek in der Calle del Carmen, als er eine Serie Bücher mit anzüglichem Umschlag und Titel verschlungen hatte.« (S. 100) Ende 1957 trifft sich Daniel Sempere dort mit Professor Alburquerque, um mit ihm zu besprechen, wie man Fermín zu einer legalen Identität verhelfen könne. Zunächst aber streifen sie ein anderes Thema – den Schatten des Windes und seinen Autor ... »Am nächsten Mittag, es war ein sonniger, freundlicher Tag, machte ich mich auf den Weg zur Bibliothek in der Calle del Carmen, wo ich mit Professor Alburquerque verabredet war, in der Überzeugung, dass, was er nicht wusste, niemand wusste. Ich fand ihn im großen Lesesaal, inmitten von Büchern und Papieren, konzentriert, die Feder in der Hand. Ich setzte mich ihm gegenüber und ließ ihn weiterarbeiten. Erst nach einer Minute bemerkte er meine Anwesenheit, hob den Kopf und schaute mich überrascht an. ›Es muss etwas Spannendes sein, was Sie da geschrieben haben‹, wagte ich mich vor. ›Ich arbeite an einer Artikelserie über verdammte Barceloneser Schriftsteller‹, erklärte er. ›Erinnern Sie sich noch an einen gewissen Julián Carax, einen Autor, den Sie mir vor einigen Monaten in der Buchhandlung empfohlen haben?‹ ›Aber sicher.‹ ›Nun, ich bin ihm etwas nachgegangen – er hat eine unglaubliche Geschichte. Haben Sie gewusst, dass jahrelang eine diabolische Persönlichkeit die Welt nach Carax-Büchern abgeklappert hat, um sie zu verbrennen?‹ ›Was Sie nicht sagen!‹ Ich spielte den Überraschten.« (S. 299/300)

Bibliothek von Katalonien
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