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Fischer Verlage
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Plà de la Seu 1, 08002 Barcelona , N 41° 23.073' E 002° 10.564'

Die Kathedrale von Barcelona, auch kurz La Seu genannt, ist eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Ihr Bau erstreckte sich über Jahrhunderte – begonnen wurde 1298, der Mittelturm wurde erst 1913 fertiggestellt –, und so haben sich dem ursprünglich gotischen Bauwerk viele unterschiedliche Stile eingeschrieben. In der Mitte des Kreuzgangs – den auch Carlos Ruiz Zafón sehr schätzt (vgl. seine Empfehlungen) – befindet sich übrigens ein Brunnen mit einer Statue des Heiligen Georg, dem Drachentöter (katalanisch: Sant Jordi), der bei begeisterten Lesern einen besonderen Stellenwert hat: Am 23. April feiert man den Heiligen und den Tag des Buches, und dabei werden traditionell Rosen und Bücher verschenkt. In ›Das Spiel des Engels‹ kommt die Kathedrale nur einmal vor; nach einem Zerwürfnis begegnet David dort Christina wieder, die ihm zulächelt und ihn in ein Café in der Calle Petritxol einlädt (›Das Spiel des Engels‹, S. 99). Im Roman ›Marina‹ findet in der Kathedrale am 24. Juni 1935 die Traumhochzeit von Michail Kolwenik und Ewa Irinowa statt. Doch das Glück währt nur kurz; direkt nach der Trauung kommt es auf den Stufen der Kathedrale zu einem schrecklichen Zwischenfall: »Die Zeremonie, von einigen mit der Krönung von König Alfonso XIII. verglichen, fand an einem strahlenden Vormittag statt. Die Menschenmenge besetzte jeden Winkel der Avenida de la Catedral, gierig danach, sich mit dem Prunk und der Pracht des Schauspiels vollzusaugen. Noch nie hatte Ewa Irinowa so betörend ausgesehen. Zu den Klängen von Wagners Hochzeitsmarsch, auf der Freitreppe der Kathedrale vom Orchester des Liceo-Theaters gespielt, stieg das Brautpaar zur Kutsche mit den weißen Pferden hinab, die es erwartete. Sie waren nur noch drei Meter davon entfernt, da durchbrach ein Mann den Sicherheitskordon und stürzte sich auf das Paar. Man hörte alarmierte Schreie. Als er sich umwandte, sah sich Kolwenik den blutunterlaufenen Augen Sergei Glasunows gegenüber. Keiner der Anwesenden sollte je vergessen, was dann geschah. Glasunow zog ein Flakon aus der Tasche und schüttete den Inhalt Ewa Irinowa ins Gesicht. Die Säure versengte den Schleier und verwandelte ihn in ein Gespinst aus Dampf. Ein Aufheulen spaltete den Himmel. Die Menge explodierte in einen wilden Haufen, und in einem einzigen Augenblick verlor sich der Angreifer zwischen den Menschen. Kolwenik kniete neben der Braut nieder und nahm sie in die Arme. Unter der Einwirkung der Säure zerflossen Ewa Irinowas Gesichtszüge wie ein frisch gemaltes Aquarell im Wasser. Die dampfende Haut schrumpfte zu einem verbrannten Pergament, und der Gestank nach versengtem Fleisch erfüllte die Luft. Die Augen der jungen Frau waren unversehrt geblieben. In ihnen waren der Schrecken und die Agonie zu lesen. Kolwenik wollte das Antlitz seiner Gattin retten, indem er seine Hände darauf legte. Doch es blieben nur Fleischfetzen hängen, während die Säure seine Handschuhe zerfraß. Als Ewa schließlich die Besinnung verlor, war ihr Gesicht nichts anderes mehr als eine groteske Maske aus Knochen und bloßliegendem Fleisch.« (›Marina‹, 106f.)

Catedral de Santa Creu i Santa Eulàlia
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